Der Text
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Früher sprach man in literarischen Zirkeln von der Grausamkeit der weißen Seite, des unbeschriebenen Blatt Papiers. Eine leere Seite ist alles, was der Bildschirm zeigt. Eine leere Seite – keine Vorgaben, keine Anleitung, keine Regeln zum Schreiben, keine Angaben zum Umfang, keine Grenze. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Straßen geben ihre Texte, wann immer sie schreiben wollen, in eine speziell für 2-3 Straßen entwickelte browserbasierte Software ein. Solange geschrieben wird, lässt sich der Text nicht durch andere unterbrechen. Er wird durch Mausklick oder bei einer Schreibpause von acht Minuten archiviert und verschwindet vom Bildschirm. Nach demselben Prinzip können Besucher der Ausstellung die lokalen Büros von 2-3 Straßen als Internetcafés nutzen, um eigene Beiträge zu schreiben und am Gemeinschaftswerk teilzunehmen. Die Speicherung der Textbeiträge erfolgt chronologisch. Alle Beiträge befinden sich in der Reihenfolge ihrer Entstehung unzugänglich im Archiv. Nach dem Ende von 2-3 Straßen wird der so entstandene anonyme Text mit der alphabetischen Namensliste seiner Autoren als Buch veröffentlicht. Der Text ist als Teil des künstlerischen Prozesses 2-3 Straßen eine nicht zu steuernde Produktion. Die digitalen Schreibmittel dienen der Umsetzung einer der ersten Utopien der Moderne: die Gesellschaft als Autor.
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